Presse
Pressemitteilung vom 17. November 2008
Ausgezeichnet: Prof. Helmchen und Dr. Basta
Verleihung des HENNIG-Vertigo-Preises 2008
Heidelberg / Flörsheim. Im Rahmen des 7. HENNIG-Symposiums in Heidelberg wurde am Samstag, 15. November 2008, der HENNIG-Vertigo-Preis 2008 verliehen. Der mit 10.000 Euro dotierte Wissenschaftspreis wurde 2002 ins Leben gerufen. Preisträger sind alle zwei Jahre Mediziner, die herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Gleichgewichtsforschung erbracht haben.
Die achtköpfige Experten-Jury hat es sich in diesem Jahr nicht leicht gemacht und zum ersten Mal in der Geschichte des Preises gleich zwei Preisträger auserkoren: Prof. Dr. med. Christoph Helmchen und Dr. rer. nat. Dietmar Basta. Feierlich übergeben wurde der HENNIG-Vertigo-Preis 2008 von Dr. Wolfgang Baumann, Medizinisch Wissenschaftlicher Leiter bei HENNIG ARZNEIMITTEL, Dr. med. Kai Schleenhain, Geschäftsleitender Gesellschafter der Firma HENNIG ARZNEIMITTEL, sowie von dem Juryvorsitzenden Prof. Dr. Wolfgang Stoll, Direktor der Klinik und Poliklinik für HNO-Heilkunde des Universitätsklinikums Münster.
Der HENNIG-Vertigo-Preis wurde erstmals im Jahre 2002 verliehen. Die Jury achtet bei der Auswahl der Preisträger vor allem darauf, dass die Forschungsergebnisse eine hohe klinische Relevanz für Diagnose und Therapie von Schwindel und Gleichgewichtsstörungen besitzt. In diesem Jahr erfüllten gleich zwei herausragende Wissenschaftler diese Vorgaben. Der Neurologe Prof. Helmchen aus Lübeck wurde für seine richtungsweisenden Arbeiten zur Funktion und Untersuchung der Gleichgewichtsorgane ausgezeichnet. Besonders seine neueren Arbeiten zur strukturellen Hirnplastizität nach peripheren Läsionen gelten als bahnbrechend und eröffnen neue Ansätze zur Rehabilitation von Patienten mit schweren Schädigungen der Gleichgewichtsorgane. Der Physiologe Dr. Basta aus Berlin erhielt den Preis für seine Arbeiten zur Methodik der so genannten vestibulär evozierten myogenen Potentiale (VEMP). Diese Funktionsdiagnostik ermöglicht die gesonderte Untersuchung bestimmter Teile der Gleichgewichtsorgane, den so genannten Otolithen, und könnte in Zukunft bei der Abklärung von Schwindelerkrankungen weiter an Bedeutung gewinnen.
Prof. Dr. med. Christoph Helmchen
Prof. Dr. Christoph Helmchen ist zurzeit C3-Universitätsprofessor an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck. Als Neurologe ist er ein ausgewiesener Experte für periphere und zentrale Gleichgewichtsstörungen, die sich klinisch mit verschiedenen Schwindelsyndromen manifestieren. Seine Forschungsarbeiten befassen sich vor allem mit der Frage, wie das Gehirn die Raumkoordinaten des Gleichgewichtsorgans benutzt, um angemessene Augenbewegungen im drei-dimensionalen Raum im Rahmen der Blickstabilisation bei Kopfbewegungen (vestibulo-okulärer Reflex) zu erzeugen, die für die Orientierung im Raum und somit unsere Gleichgewichtsregulation erforderlich sind. So hat er mit seiner Arbeitsgruppe zum Beispiel anhand von binokulären Augenbewegungsregistrierungen zentrale Störungen der Gleichgewichtsregulation im Hirnstamm identifizieren können. Weiterhin hat er mit quantitativen Bestimmungen des klinisch wichtigen Kopfimpulstestes (Halmagy-Curthoys Manöver), der zur Abgrenzung einer peripheren von einer zentralen Gleichgewichtsstörung eingesetzt wird, zur Charakterisierung vestibulärer Funktionsstörungen bei wichtigen neuro-otologischen Krankheitsbildern beigetragen (z.B. Hörsturz, Perilymphfisteln, Neuritis vestibularis, u.a.). Neuere Arbeiten beschäftigen sich mit den plastischen Hirnveränderungen nach peripheren Gleichgewichtsstörungen, die für die Therapie und Rehabilitation chronischer vestibulärer Funktionsstörungen von großer Bedeutung sind.
Dr. rer. nat. Dietmar Basta
Dr. Dietmar Basta hat Biologie und Chemie an der Humboldt-Universität Berlin studiert und war bis 1996 als Tutor in den Fächern Tierphysiologie und Neurobiologie tätig. Seine Diplomarbeit trug den Titel "Verhältnis warm-, kalt- sowie temperaturinsensitiver Neurone im Hypothalamus anterior der juvenilen Moschusente (Cairina moschata)". 1998 promovierte er zum Dr. rer. nat. an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er war als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Berlin und Potsdam angestellt - seit 2003 ist er Wissenschaftlicher Angestellter in der HNO-Klinik am Unfallkrankenhaus Berlin und seit 2004 zusätzlich Gastwissenschaftler am Institut für Biologie der Humboldt-Universität zu Berlin sowie am Institut für Neurophysiologie der Berliner Charité. In diesem Jahr eröffnete er das Habilitationsverfahren an der Charité Universitätsmedizin Berlin mit der Annahme der Habilitationsschrift zum Thema "Physiologische und pathophysiologische Untersuchungen zur Funktion der Otolithenorgane im vestibulären System des Menschen".
571 Wörter, 4696 Zeichen (inkl. Leerzeichen)
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